Archiviertes Physik-Kolloquium:

17. Jun. 2010, 16:15 Uhr, Gebäude NW1, Raum H3

Das Newcomb-Benford-Gesetz – eine Waffe für das Finanzamt?

Prof. Peter Ryder, Universität Bremen

1881 wies der Astronom Simon Newcomb auf ein merkwürdiges Phänomen hin: Viel benutzte logarithmische Tafeln zeigten eine stärkere Abnutzung auf den ersten Seiten als auf den hinteren. Daraus folgerte er, dass die Zahlen 1 bis 9 nicht mit gleicher Häufigkeit als erste signifikante Ziffer der von ihm bearbeiteten Zahlen vorkamen. Aus der Annahme einer Gleichverteilung auf einer logarithmischen Skala leitete er das Gesetzt Pn = log(1 + 1/n) ab, wo Pn die Wahrscheinlichkeit ist, das n als erste signifikant Ziffer erscheint. Das Thema wurde erst 1938 in einer Arbeit von Frank Benford wieder aufgegriffen. Benford zitierte verschiedene Datensätze, die Newcombs Gesetz mehr oder weniger gut gehorchten, u.a. geographische Daten, physikalische und chemische Eigenschaften, physikalische Konstanten, Bevölkerungszahlen, Todesraten, Straßenadressen, Zahlen aus Zeitungen. Er schloss daraus, dass das später oft nur nach ihm genannte Gesetzt eine sehr allgemeine Gültigkeit hat. Im Vortrag wird gezeig