Archiviertes Physik-Kolloquium:

14. Jan. 2016, 16:15 Uhr, Gebäude NW1, Raum H3

Habilitationsvortrag: "Four (or Five) Quarks for Muster Mark?" — Zur Existenz von Tetra- und Pentaquarks

Dr. Jan Ingo Flege, FB 1, IFP

"Four (or Five) Quarks for Muster Mark?" — Zur Existenz von Tetra- und Pentaquarks

Etwa 50 Jahre nach der Aufstellung wesentlicher Grundlagen des Standardmodells zum Aufbau massiver Teilchen aus Elementarbausteinen, sogenannten Quarks, herrscht in der Teilchenphysik eine neue Aufbruchsstimmung: Neueste experimentelle Ergebnisse vom Large Hadron Collider (LHC) in der Schweiz zeigen ungeahnte Einblicke in den subatomaren Mikrokosmos und erhärten die Hypothese, dass es neben den etablierten hadronischen Teilchen wie Mesonen und Baryonen, die aus je zwei bzw. drei Quarks bestehen, auch Teilchen aus einer größeren Anzahl dieser Elementarbausteine gibt. Obzwar nicht die ersten ihrer Art — erste Hinweise auf ein Pentaquark aus fünf Teilchen wurden bereits 2003 veröffentlicht — so sind die aktuellen Funde im Gegensatz zu früheren (teils voreiligen) Meldungen von dramatisch gesteigerter statistischer Signifikanz.

Im Vortrag wird zunächst der akzeptierte Wissensstand zum strukturellen Aufbau der Hadronen und ihrer Wechselwirkungen kompakt dargestellt. Aufbauend auf den sich daraus ergebenden Möglichkeiten ihrer experimentellen Untersuchung werden anschließend die jüngsten Befunde der LHCb-Experimente zum Nachweis von Tetra- [1] und Pentaquarks [2] erläutert und ein Überblick über den gegenwärtigen Stand der (sicherlich noch nicht abgeschlossenen) Diskussion um ihre Bedeutung für die Teilchenphysik gegeben.

[1] R. Aaij et al. (LHCb Collaboration), Phys. Rev. Lett. 112, 222002 (2014).

[2] R. Aaij et al. (LHCb Collaboration), Phys. Rev. Lett. 115, 072001 (2015).