Ruhe Bitte!

Schallmessung mit Sender vorne rechts und Mikrofon hinten links (Foto: M. Bertram)
Autor: N. Kaminski

Ruhe bitte!

Unter diesem Motto stand im letzten Jahr eine Sanierungsaktion im Studierhaus des NW1. Das Studierhaus ist einer des wichtigsten Lernräume im NW1, dicht am Haupteingang und an der Mensa, und daher immer gut besetzt – mit entsprechenden Folgen für den Lärmpegel. Auch bei Veranstaltungen wurde immer wieder die schlechte Akustik des Raums kritisiert und so wurde der Wunsch nach einer Verbesserung immer drängender. Vor Jahren hatte man schon mit schallschluckenden Stellwänden versucht, das Problem in den Griff zu bekommen, hatte aber nur mäßigen Erfolg und mit den Stellwänden ein weiteres Ärgernis geschaffen.

 

Es musste also ein wissenschaftlicherer Ansatz gefunden werden und so lang es nahe, zunächst einmal die uniinternen Experten für Akustik zu Rate zu ziehen. Ulrich Tadday, Professor für Historische Musikwissenschaft im FB9 konnte bei einer Begehung sein Entsetzen über die Akustik des Studierhauses kaum verbergen und stellte sofort den Kontakt zu einer Spezialfirma für Raumakustik her. mbakustik (www.mbakustik.de) befasst sich mit der Akustik von Tonstudios, Büros, Veranstaltungsräumen, aber auch privaten Räumen und Markus Bertram, der Gründer und Inhaber, entpuppte sich sogar als Alumnus des NW1. Ein erster Ortstermin im Studierhaus ergab einen Verdacht: Die Deckenplatten sind „schallhart“, verhalten sich akustisch wie eine Betonwand und tragen daher kein bisschen zur Geräuschdämpfung bei. Eine detaillierte Messung (siehe Foto) durch Herrn Bertram brachte dann Gewissheit. Geräusche wurden nicht gedämpft, sondern hallen aufgrund der guten Reflexion sehr lange nach. Da die Wände, insbesondere das Glas, und der Boden im Studierhaus akustisch zwar sehr schlecht, aber kaum zu verändern sind, blieb tatsächlich nur die Decke als Ort für Verbesserungsmaßnahmen.

 

Mit Geldern des FB1 wurden daher alle Deckenplatten ausgetauscht und in die Laibung des Dachfensters wurden weitere Platten montiert. Das war eine Aktion von wenigen Tagen und hatte nichts mit der gegenwärtig laufenden Schadstoffsanierung im NW1 zu tun. Nach einigen Veranstaltungen und Prüfungsvorbereitungsphasen kann man nun resümieren, dass die Aktion ein voller Erfolg war. Der Nachhall ist deutlich geringer und auch der Geräuschpegel ist im Alltag nun viel niedriger. Niemand hat mehr den Drang die Stellwände aufzubauen. Am Ende bleibt daher nur zu hoffen, dass sich die verbessere Situation im Studierhaus auch auf den Lernerfolg der Studierenden positiv auswirkt – und auf die Kommunikation insgesamt.